Infrastruktur für die Ressourcenwende

01 April 2026

Kreislauffähiges Bauen gilt als zentrales Mittel, um Ressourcen zu schonen und den Klimawandel zu bremsen. Der Transformationsprozess kommt jedoch nur langsam voran.

Fehlende wirtschaftliche Anreize, unklare gesetzliche Rahmenbedingungen und ein mangelndes Verständnis für zirkuläre Wertschöpfung verhindern derzeit, dass hochwertige Wiederverwendung im Bauwesen zur Regel wird. Gleichzeitig wächst der Druck: Die Baubranche verursacht jährlich über 60 Prozent des deutschen Abfallaufkommens, während qualitätsvolle Wiederverwertung nur in geringem Maße stattfindet.

Ein wesentlicher Engpass ist das Informationsdefizit über verbaute Materialien. Ohne Transparenz über Art, Menge und Qualität der Rohstoffe in Gebäuden bleiben Wiederverwendungs- und Recyclingstrategien ungenutzt. An dieser Stelle setzen Gebäudematerialkataster an: Sie erfassen systematisch die „urbane Mine“ und machen sichtbar, welche Rohstoffe in Gebäuden stecken und wie sie zirkulär genutzt werden können. Beispiele aus Baden-Württemberg, Heidelberg und München zeigen, wie solche Kataster Rückbaumengen prognostizierbar machen und wertvolle Hinweise für zukünftige Materialkreisläufe liefern.

Die Analyse für Baden-Württemberg ergab einen Materialbestand von rund 2,6 Milliarden Tonnen, davon 89 Prozent mineralische Baustoffe. Diese Erkenntnisse ermöglichen erstmals eine landesweite Betrachtung der regionalen Rohstofflager und bieten Städten und Kommunen eine Grundlage für strategische Entscheidungen. Digital unterstützte Plattformen wie Madaster liefern zusätzlich Einblicke in CO2-Fußabdruck und Restwerte der Materialien – ein entscheidender Faktor, um wirtschaftliche Potenziale von Gebäuderessourcen sichtbar zu machen.

Damit Materialien jedoch tatsächlich hochwertig wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können, braucht es funktionierende Infrastrukturen. Hier kommen Sekundärrohstoffzentren ins Spiel, die als regionale Drehpunkte fungieren. Sie sammeln Baumaterialien, bereiten sie auf und stellen sie für neue Bauprojekte bereit. Diese Zentren existieren in stationärer, temporärer oder digitaler Form. Sie ermöglichen kürzere Transportwege, stärken regionale Wertschöpfung und schaffen neue Geschäftsmodelle im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Forschungsprojekte – beispielsweise am Karlsruher Institut für Technologie – zeigen, dass solche Zentren ökologisch und ökonomisch tragfähig sind, insbesondere größere Anlagen. Sie können hochwertige Recyclingmaterialien bereitstellen, CO2-Emissionen reduzieren und neue Investitionsperspektiven eröffnen. Gleichzeitig wird deutlich: Für eine erfolgreiche Ressourcenwende muss die Infrastruktur systematisch ausgebaut werden, politische Steuerungsinstrumente müssen klare Rahmenbedingungenschaffen und die Digitalisierung der Materialinformationen muss weitervorangetrieben werden.

Insgesamt zeigt sich, dass die Ressourcenwende technisch möglich und ökologisch notwendig ist. Mit einer Kombination aus Materialkatastern, leistungsfähigen Sekundärrohstoffzentren und politischen Anreizen kann kreislauffähiges Bauen zur neuen Norm werden – und die Baubranche einen wesentlichen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutzleisten.

Sekundärrohstoffzentren sind eine entscheidende Komponente der zirkulären Bauwirtschaft

Den Artikel der DBZ Deutsche BauZeitschrift aus Ausgabe 04/2026 können Sie hier in voller Länge nachlesen.

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